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04.12.2017

Daniel Gockel, Andrea Sandscheiper und ihre Gäste

Bahnhofsmission Bielefeld: Engagiert im Ehrenamt


Daniel Gockel, Andrea Sandscheiper und ihre Gäste

„Man bekommt unglaublich viel zurück“ findet Andrea Sandscheiber, seit zweieinhalb Jahren im Einsatz für Menschen unterwegs.

Die blaue Weste ist für Menschen am Bahnhof das Signal: hier gibt es Hilfe. Daniel Gockel hat als erfahrener Ehrenamtler auch Tipps parat, wie und wo es mit dem Zug weitergeht.

Engagement in der Bahnhofsmission ist Teamarbeit. Gemeinsam gelingt es auch, an turbulenten Tagen mit Ruhe und Geduld Hilfesuchenden beizustehen. Fotos: Diakonie für Bielefeld/ Christian Weische

Ausdauer, Einfühlungsvermögen, Improvisationstalent, Respekt, Sprachkenntnisse, Verständnis – das alles zeichnet die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission aus. Nicht wenige Menschen nutzen die Anlaufstelle regelmäßig, um eine Brotzeit, ein Getränk und ein paar aufmunternde Worte mitzunehmen.

Dennoch ist kein Tag wie der andere. Allein in der Bahnhofsmission im Hauptbahnhof Bielefeld, einer Einrichtung der Diakonie für Bielefeld und des Caritasverbands für das Dekanat Bielefeld, engagieren sich derzeit rund 20 Männer und Frauen ehrenamtlich, bewältigen von montags bis freitags unterschiedliche Aufgaben. Zum Tag des Ehrenamtes (5.12.2017) stellen wir mit Daniel Gockel und Andrea Sandscheiper beispielhaft zwei von ihnen vor.

Morgens um sieben scheint die Welt noch in Ordnung. Die Frühschicht beginnt in dem vielleicht 25 Quadratmeter kleinen Raum mit angrenzendem, schmalen Küchenbereich. Ein wenig versteckt, neben dem Treppenbereich zwischen Bahnhofshalle und Gleiszugängen, weist das Logo der Bahnhofsmission Hilfesuchenden den Weg. Auf Klingeln öffnet sich die erste Tür in einen kurzen Gang, dahinter befindet sich der eigentliche Eingang.

Brotpaket und Tee zur Stärkung

Eine Stunde haben Daniel Gockel und Andrea Sandscheiper und die weiteren Helfer in den markanten blauen Westen Zeit, Brotscheiben und Baguettes mit Käse zu belegen und als kleine Brotzeit zu verpacken, heißen Tee in große Thermoskannen zu füllen und alles am Tresen bereitzustellen. Die Lebensmittel kommen von der Bielefelder Tafel und einem Baguette-Anbieter am Bahnhof. Punkt 8 Uhr, zu Beginn der Ausgabe, stellen sich die ersten Gäste ein.

„Gäste“ nennen die Ehrenamtlichen um Josefine Georgi, hauptamtliche Leiterin der Bahnhofsmission Bielefeld, ihr Klientel. Das spiegelt die Vielfalt menschlicher Nöte, Sorgen und Probleme wider: allein reisende Kinder (die beim Ein-, Um- und Aussteigen betreut werden), gestrandete Jugendliche,
Arbeitslose, Bestohlene, ältere Männer und Frauen mit kleiner Rente, Reisende mit schwerem Gepäck oder eingeschränkter Mobilität, Menschen mit verschiedenen kulturellen Wurzeln und Aufenthaltsstatus, Obdachlose oder Süchtige.

Respektvoller Umgang
Die Klingel kündigt den nächsten Besucher an – die 50-Jährige Andrea Sandscheiper nimmt eine Tüte mit Winterkleidung entgegen. Sie weiß: Die Jacke passt Ali aus dem Irak, der sie wenig später dankend annimmt. Daniel Gockel bemüht sich parallel um einen stark angetrunkenen Mann aus Südostasien, der sich nicht (mehr) deutlich artikulieren kann. Auch er erhält die Brotzeit und einen Tee, dazu Tipps für Anlaufstellen und Übernachtungsmöglichkeiten für obdachlose Männer.  In seinem Zustand ist er kaum aufnahmefähig. Wie alle wird auch er mit Geduld und Respekt behandelt.

Daniel Gockel, 31 Jahre alt, gebürtiger Bielefelder und zwischenzeitlicher Hamburger, ist wieder in die Leinenstadt zurückgekehrt. Statt als Justizfachangestellter arbeitet er jetzt im sozialen Bereich. Seit 2008 engagiert er sich mit Unterbrechungen ehrenamtlich in der Bahnhofsmission, einmal wöchentlich für einige Stunden.

Vielfalt der Hilfesuchenden
Derweil klingelt es im Minutentakt. Junge, mittelalte und betagte Menschen kommen kurz herein, nehmen Stulle und Heißgetränk entgegen, verschwinden wieder. Eine Praktikantin stellt sich vor. Eine Dame absolviert ihren ehrenamtlichen Schnuppertag. Jemand würde gerne kurz sein Handy nachladen.

Ein Obdachloser holt sich einen winterfesten Schlafsack ab. Eine Ausnahme. Für Kleidung, Decken, Schlaf- und Rucksäcke werden aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten sonst nur Gutscheine für die Kleiderkammer ausgegeben. Dafür erhält hier jeder zwei Mahlzeiten pro Tag, kostenlos, ohne Bedingungen.

Praktische Nächstenliebe
„Ich habe gern mit Menschen zu tun“, sagt Daniel Gockel. Seine Kollegin, ausgebildete Ergotherapeutin aus Herzebrock-Clarholz, seit zweieinhalb Jahren dabei, betont: „Das Ehrenamt macht Spaß und ich quatsche gerne.“ Die gebürtige Thüringerin aus kinderreicher Familie und den HSV-Fan eint ihr Wunsch, christliche Nächstenliebe zu praktizieren, etwas Sinnvolles zu tun, Menschen unterschiedslos zu helfen. „Man bekommt unglaublich viel zurück“, so Andrea Sandscheiper.

140 Gäste pro Tag, überwiegend Männer, betreut das Team der Bielefelder Bahnhofsmission wochentags zwischen 8 und 19 Uhr im Durchschnitt, Tendenz steigend. Deshalb werden neben Geldspenden immer weitere Ehrenamtliche gesucht.   

Weitere Informationen unter
www.diakonie-fuer-bielefeld.de/menschen-vielfalt/bahnhofsmission.html