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Junge Flüchtlinge in die Selbständigkeit begleiten

Rotary-Spende sichert Sozialarbeiter-Stelle


Junge Flüchtlinge in die Selbständigkeit begleiten

Marc Korbmacher (2.v.r.) und Sozialpädagogin Vivi-Ann Löbbe erläutern (v.l.) Dr. Ingo Habenicht (Vorsitzender der DfB Gesellschafter-Versammlung) sowie Prof. Dr. Hans-Björn Gehl und Bernhard van Langerich das Konzept. Foto: Christian Weische

Bielefeld-Brake. WG statt Gemeinschaftsunterkunft: Für 18-jährige Flüchtlinge ist das ein vielversprechender Start. Die Diakonie für Bielefeld begleitet junge Männer bei diesem Schritt in die Selbstständigkeit und kann ihr Angebot dank einer großzügigen Spende des Rotary Clubs Bielefeld-Waldhof weiter ausbauen. Er sichert mit seinem finanziellen Engagement eine halbe Sozialarbeiter-Stelle, der Rest der Finanzierung erfolgt durch den Evangelischen Kirchenkreis Bielefeld. Damit wird auch die Unterstützung für die sieben Bewohner der Wohngemeinschaften im ehemaligen Pfarrhaus Brake durchgeführt.

Rotary International ist eine weltweite Vereinigung berufstätiger Männer und Frauen. Toleranz gegenüber allen Völkern, Religionen, Lebensweisen und demokratischen Parteien ist für Rotarier oberstes Gebot. Rotary Clubs wollen denen zur Seite stehen, die sich nicht selbst helfen können: im lokalen Umfeld der eigenen Gemeinde und in internationalen humanitären Hilfsprojekten.

Der Rotary Club Bielefeld-Waldhof mit seinen 69 Mitgliedern hat bereits zahlreiche Projekte im In- und Ausland initiiert und gefördert und wird dies auch in Zukunft tun. So entschloss sich der Club im Frühjahr dieses Jahres noch vor der Eskalation der Flüchtlingskrise im Sommer einen sogenannten Distrikt-Grant zu beantragen. Mit Hilfe eines solchen Antrags konnte über den Rotary Distrikt 1900 (Westfalen) ein Zuschuss aus der Rotary Foundation von 4.700 US Dollar beigesteuert werden, so dass der Rotary Club Bielefeld-Waldhof insgesamt eine Summe von 12.000 Euro für dieses Projekt spenden kann.

„Wir fördern Projekte, die nachhaltig wirken“, betont der amtierende Club-Präsident, Bernhard van Lengerich. Mit der Diakonie für Bielefeld habe man einen starken Partner an der Seite. Und Rotarier Prof. Dr. Hans-Björn Gehl ergänzt: „Wir freuen uns, etwas Konkretes unterstützen zu können.“ Ob mehr daraus werde, hänge auch von den künftigen Bewohnern ab.

Die Stadt Bielefeld richtet das derzeit leerstehende Haus an der Rügener Straße ein; es soll bis Ende des Jahres bezugsfertig sein. Die Begleitung der künftigen Bewohner übernimmt dann die ‚Diakonie für Bielefeld‘ (DfB). Diese Zusammenarbeit klappt bereits an zwei weiteren Standorten – in Jöllenbeck und in Schildesche. „Das Bestreben der Stadt Bielefeld, die jungen Männer in Wohngemeinschaften unterzubringen, ist eine sehr positive Entwicklung“, unterstreicht Marc Korbmacher, Geschäftsführer der DfB.

Die Ausgangslage für die Zielgruppe erläutert Wolfgang Pieper, DfB-Abteilungsleiter für den Bereich Familien und Migration. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden sich in einer besonderen Situation. Zunächst sind die jeweiligen Jugendämter der Kommunen, dann eingesetzte gesetzliche Vertreter zuständig – wenn es um Angelegenheiten wie Asylanträge oder Schulbesuch geht.

Mit Vollendung des 18. Lebensjahres sind sie selbst verantwortlich und es ändert sich einiges. Plötzlich fehlt der schützende Rahmen des Clearinghauses, in dem die jungen Männer bislang untergebracht waren. Alles müssen sie allein bewältigen. Im Zusammenhang mit dem Asylantrag gibt es Behördengänge zu erledigen, Fristen einzuhalten, Verschiedenes zu klären. Um Schulangelegenheiten oder ihre Ausbildung müssen sie sich selbst kümmern. Nun ist das Amt für soziale Leistungen zuständig, die Ansprechpartner wechseln.  Die neue Situation stellt für die jungen volljährigen Flüchtlinge eine Herausforderung dar.

Die Unterbringung in Wohngemeinschaften mit drei bis sieben ‚Mitbewohnern‘ bedeutet in dieser Lage zunächst einmal ein ruhigeres Umfeld. Die Sozialpädagogen der DfB als verlässliche Begleiter bieten Orientierung und konkrete Hilfestellung bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit. Besonders wichtig ist eine gute Unterstützung bei den jungen Menschen, die aufgrund von Traumatisierung ihren Weg nicht allein finden können.

„Das Engagement des Rotary-Clubs ist eine große Hilfe beim Ausbau  unserer Arbeit“, betont Marc Korbmacher. „Die ‚Diakonie für Bielefeld‘ versteht sich als Anwältin der Menschen. Und das heißt auch, sie in die Lage zu versetzen, eigenständig und selbstverantwortlich ihr Leben in die Hand zu nehmen.“  Das Projekt für junge unbegleitete Flüchtlinge richte sich zudem an eine Personengruppe, die hoch motiviert sei, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.